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Ursprünglich für das Jahr 2004 geplant, hatte ich nun für den August ´05 den flexiblen Start meiner Trans Alp-Tour ins Auge gefasst. Nach dem Studium des Wetterberichts für die kommenden 5 Tage, habe ich dann den Start auf den 11.08.2005 von München Hbf festgesetzt. Um es kurz zu machen, es war neben allen anderen netten Herausforderungen der letzten Jahre wieder eine, die sehr viele Emotionen in mir erzeugt hat und vor allem die Lust auf neue Touren, sei es zu Fuß oder mit dem Bike. Die Ausführungen in diesem Erlebnisbericht stellen Auszüge aus meinem Tagebuch dar und sind somit kurz und prägnant.

Ziel dieser Tour sollte die Überquerung der Alpen von München nach Riva del Garda in 4 Tagesetappen über rund 450 km einschließlich einer Bergtour im Adamello-Pressanella-Gebiet sein.





Tag 1 – Donnerstag, 11.08.2005

Sangerhausen – München – Kochel – Mittenwald – Seefeld – Innsbruck – Brennerpaß – Sterzing – Freienfeld



Gegen 02.30 Uhr erfolgte der Start mit dem PKW in Sangerhausen mit dem Ziel München Hauptbahnhof, wo ich gg. 06.45 Uhr in der Luisenstraße eine für die nächsten Tage kostenfreie Parkmöglichkeit vor einer Geschäftsbank gesucht und gefunden habe. Nachdem ich mein Trekking - Bike zusammengebaut hatte, die 15 kg Gepäck in den Satteltaschen (v.a. Bergausrüstung) verstaut und den Bag-Pack mir weiteren 8 kg bestückt hatte, ging es 08.30 Uhr in Richtung Süden mit dem Ziel, am Abend Sterzing in Südtirol zu erreichen. (geplant nach Atlas 180 km). Zu Beginn bin ich, bei noch kühlen Temperaturen, am linken Isarufer zumeist auf Schotter in Richtung Wolfratshsn. geradelt. In Grünwald bin ich dann über die Steilstufe auf die Landstraße abgebogen, was vom Fahrkomfort v.a. bei dem hohen Zusatzgewicht, wesentlich angenehmer war. Die Sonne war von nun an mein ständiger Begleiter, so dass es zügig voran ging über Straßlach, Deining, Egling, Ascholding, Geretsried, Königsdorf und Bichl nach Kochel am See. (10.00 Uhr; 70km; Average-Speed (Avg) 22km/h)
Weiter ging es über die Serpentinenstraße zum Walchensee. Als leidenschaftlicher Motorradfahrer hätte ich mir hier auch meinen anderen Untersatz gut vorstellen können. Es sei mir bereits an dieser Stelle verziehen, dass ich nicht jede Foto- bzw. Pinkelpause erwähne. Gegen 12.30 Uhr und gefahrenen 97 km habe ich Wallgau passiert und bereits hier festgestellt, dass diese Tagesetappe etwas länger ausfallen dürfte, als ursprünglich geplant. 13.00 Uhr hatte ich Mittenwald quer ab (105 km) und gg. 13.20 Uhr die Deutsch-österreichische Grenze passiert (110 km). Es folgte der erste längere Aufstieg nach Seefeld (14.00 Uhr, 123 km). Nach kurzem Stopp und Realisierung, dass sich der bis dato leichte Schlag im Hinterrad durch das „leicht“ erhöhte Gewicht auf der Hinterachse zu einer stattlichen „Acht“ ausgeformt hatte, musste ich bei der nun folgenden sehr schönen und langen Abfahrt nach Innsbruck gute Bremsarbeit leisten. Trotzdem habe ich einen Top-Speed von 72,7 km/h erreichen können.
14.45 Uhr bin ich nach 146 km (120 km waren bis hierher geplant) in Tirols Hauptstadt eingelaufen. Die Jungs vom Rad-Service haben mir für nur 7 € die „Acht“ entfernt (war vorher bei „Sport Special“ und bei „Conrad“, die mir leider nicht helfen konnten), indem sie eine doch schon gebrochene Speiche gewechselt haben. Die drei Jungs vom Rad-Service sind schon „ein paar mal“ über die Pässe geradelt und haben mir wertvolle Tipps gegeben. Auch die Boudenzüge der Bremse haben sie mitgewechselt, mit der Bemerkung, dass ich die am Jaufenpass wohl brauchen werde. Schauen wir mal, ob sie recht hatten. 15.45 Uhr, nach ca. 1 Stunde in Innsbruck, bin ich die 2,5 Std. die alt Brennerstraße (40 km) bis zum Pass hochgeradelt. Bereits in Steinach, später in Gries a. Brenner habe ich die ersten Blitze und Donner von Süden her kommend vernommen, die nichts gutes ankündigten. Nach dem Passieren der Brennerpassanlagen fing es auch sogleich an, wie aus Eimern zu schütten. Naja, geplant war geplant (Sterzing zu erreichen), also Augen zu und durch. Nach einer 25- minütigen leicht feuchten Abfahrt, Einlaufen in Sterzing. Zum Glück hatten die Italiener gerade Ferien (sämtliche Zimmer waren also ausgebucht), was mir durch die Hilfe eines Pensionsbesitzers aus Sterzing eine zusätzliche Etappe über 5 km nach Freienfeld (Richtung Bozen) ins Hotel Saxl *** ermöglichte. Der Tacho blieb hier bei 208,49 km und 9:57:30 h gefahrener Zeit stehen.
Ich hatte ein schickes Einzelzimmer mit Blick auf die wolkenverhangenen Berge. Nach dem Genuss einer ausgiebigen Dusche habe ich mir das 3-Gänge Abendessen mit viel deftigem und Salat und zusätzlich einen großen Teller Spaghetti Bolognese, der auf Wunsch extra für mich gekocht wurde, schmecken lassen.



Kilometer 208,49
Höhenmeter einige
Fahrzeit ca. 10 Stunden



Tag 2 – Freitag, 12.08.2005

Freienfeld – Jaufenpass (2094 m) – San Leonardo – Merano – Lana (215 m) Passo Gampo (1518 m) – Fondo – Dimaro – Passo Carlo Campo (1681 m) – Madonna di Campiglio – Pinzolo – Albergo “Alla Prisa” Val Genova



Gegen 05.35 Uhr ging es raus aus dem Bett und pünktlich 06.00 Uhr erfolgte der Startschuss zur 2. Tagesetappe über 3 nette Pässe zum Val di Genova am Fuss der Adamello-Pressanella-Gruppe. Am Fuss des Jaufenpass (Passo Giovo) ging es auf 950 m Höhe los, bis ich nach 16 km und 10 Kehren auf 2094 m gg. 8.30 Uhr den Pass (21,86 km von Saxl) erreicht hatte. Grandioser Ausblick in den noch kühlen Morgen bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. (G-km 230) Die anschließende Abfahrt nach San Leonardo (700 m ) war zügig (08.35 - 09.05 Uhr), was mich an die Worte meiner Radfreunde aus Innsbruck erinnern lies. Nach dem kurzen Abflug meines Schlafsackes – zum Glück in einer Außenkurve, ging es dann von San Leonardo, wo ich meine Bergjacke bei angenehmen 25 ° C wieder ausgezogen habe, 20 km weiter nach Merano. 10.35 Uhr bin in Merano eingelaufen (63,3 km). Im Stadttunnel, der eigentlich für Fahrräder gesperrt ist, habe ich aber zu spät gesehen, bin ich dann mit gutem Speed mitgeschwommen, wobei ich kurz vor dem Tunnelausgang meine 3 Plankarten aus der Radlerhose verloren habe. Nach kurzem Stopp hinter dem nächsten Abzweig und Lauf zurück, habe ich sie wieder aufsammeln können. 11.10 Uhr habe ich dann Lana am Beginn des Gampenpass erreicht. Von hier waren es 18 km zum 1518 m hohen Gampenjoch, wo ich 13.50 Uhr nach 90,50 km und 6:10 h Tages-Fahrzeit ankam. (299 G-km)
Nach kurzem Stopp und dem letzten Schluck aus der Flasche ging es weiter nach Süden. In Cloz hat mir eine ganz liebe Südtiroler Oma meine Flasche mit Wasser gefüllt, da um diese Zeit die Supermärkte Siesta machen, habe ich so die Strecke bis zum Supermarkt nach Male im Val di Sol (16.00 Uhr; 135 km; 343 G-km; 7:52 h Tages-Fahrzeit; ) überbrückt. Nach dem Einkauf war mir nach dem Blick auf die Uhr klar, dass ich heute abend wohl nicht mehr das Rifugio Bédole (1700 m) im Val di Genova erreichen werde. In Dimaro erfolgte dann der nächste heftige Anstieg über Folgarida (1344 m, 18.00 Uhr) zum 8 km entfernten Passo Campo Carlo Magno 1681 m. Links von mir die Brenta und rechts die Adamello - Pressanella. 18.57 Uhr bin ich an Madonna di Campiglio (1514 m) vorbei gehuscht, um nach einer zügigen Abfahrt 19.15 Uhr in Carisolo/Pinzolo einzulaufen. Nach einem kurzen Telefonat ging es dann auf Empfehlung zweier sehr netter Südtiroler weiter ins Val di Genova bis zum Alberge i Ristorante „Alla Prisa“. Ende der Tagesetappe nach



Kilometer 176,15 (384 G-km)
Höhenmeter einige
Fahrzeit 10:36 h. (20:36 G-h)



Tag 3 – Samstag, 13.08.2005



Alla Prisa – Rif. Bédole (1681 m ) – Rif. Madrone (ca. 2500 m) – Joch Lobbia Alta (3010 m) - Rif. Madrone - Rif. Bédole (1681 m ) – Alla Prisa – Tione di Trento (656 m) – Ponte Arche – Sarche – Riva del Garda (65)



05.11 Uhr bin ich aufgestanden, um mich 05.32 Uhr auf das Bike zu schwingen. Den Großteil meines Gepäcks konnte ich in der Pension lassen. Von ca. 950 m ging es auf ca. 16 km bis zum Rif. Bédole ans Ende des Val di Genova. Nach ca. 2 km – kurz hinter dem Stausee- habe ich das einzige Mal auf der Strecke für 200 m geschoben. Ich hatte einfach noch keine Betriebstemperatur und es ging auch nur ein bissl rauf. Nach noch einigen Krachern war ich Punkt 07.00 Uhr an der Hütte. Auf dem Parkplatz unterhalb der Hütte war reges Treiben zu beobachten. Es haben mich ja auch genug Leute bzw. Leute in ihren Fahrzeugen überholt. Habe dort noch eine Coke beim Hüttenwirt gekauft. Mein Fahrrad konnte ich in einer Kohlehütte unterstellen. Nach kurzem Break bin ich gg. 07.20 Uhr zur Madrone Hütte aufgestiegen, wo ich nach 1:55 min auf ca. 2500 m angekommen bin. Nach kurzem Stopp ging es weiter (wie sich später herausstellte, zu kurzem Stopp). Zu Anfang ging es vorbei am Lago Madrone, über Sumpf- und Moorwiesen, zahlreiche Granitblöcke bis zum Abzweig „Lobbia“ bzw. „Rif. Garibaldi“. Obwohl ich kleine Kärtchen zur Orientierungsunterstützung dabei hatte, habe ich mich für den, wie sich etwas später herausstellte, falschen Weg zum Adamello entschieden und bin mit einigen nachsteigenden Italienern zum Rif. Lobbia aufgestiegen (11.50 Uhr).
Hier oben ist Papst Johannes Paul II. in den frühen 1980 er Ski-Alpin gelaufen. Noch heute erinnert ein Denkmal an seine Besuche hier oben in den Südtiroler Bergen. Zum Adamello sind es von hier noch 4 h. Bei Aufstieg über den teilweise sehr steilen Gletscher sind wir an sehr viel Schrott aus dem „Guerra Bianco“ , dem weißen Krieg zwischen Österreichern und Italienern im Ersten Weltkrieg vorbei gekommen. Angefangen von unzähligem Holz der Unterstellungen, Transportgeräten wie Schlitten aber auch Munition und Munitionsteilen lag hier noch alles rum und wurde so langsam vom Gletscher talwärts transportiert. Auf der Hütte gab es besonders scharfe Pasta zum Mittag.
Gern hätte ich mir noch das alte Geschütz auf dem nahen Gipfel auf 3300 m angeschaut, aber mehr als eine Überschreitung des Lobbia-Jochs ist vor allem wegen des sich zuziehenden Wetters nicht drin gewesen. Nach der Verabschiedung von Daniele, meinem Partner beim Aufstieg über den Gletscher, bin ich dann in nur 20 min mit den Crampons abgefahren (1,5 h Aufstieg auf dem Gletscher), ab den Felsen ging es im leichten Regen nochmals 1:10 bis zur Madrone und nochmals 1:15 bis zur Bedole. Ohne meine Sticks ging das wieder ganz schön auf die Knie. Nach dem Schwung aufs Rad ging es zügig (30 min) zurück nach Alla Prisa. Hier unten im Val di Genova hatte es kurz vorher richtig gut geschüttet und Himmel und Menschen waren an diesem Wochenende unterwegs, da die Italiener neben ihren Ferien am folgenden Montag ihren höchsten Feiertag haben und somit ein langes Wochenende. Nach einem kurzen small talk mit dem Chef des Hauses, habe ich erneut aufgesattelt und von nun an ging es „fast“ nur noch berg ab nach Riva del Garda. 16.40 Uhr - Abfahrt ins Redena-Tal an dessen süd-westlicher Ecke Tione di Trento nach 20 km passiert wurde, weiter über Ponte Arche berg ab, durch viele Tunnel nach Sarche (letzter kurzer namenloser Aufstieg) und schließlich die S 45 über Pietramurata, Dro, Arco nach Riva del Garda, wo ich 19.15 Uhr nach nur 2,5 h eingelaufen bin. Vor meiner Ankunft hier ist ein erfrischender Schauer heruntergekommen. Ich habe mir dann so speckig wie war mehrere Köstlichkeiten in einem Restaurant servieren lassen und bin dann zum See gefahren. Gegen 21.15 Uhr habe ich erst mal ein schönes, erfrischendes Bad im Lago di Garda genossen. Nach einigen Radrunden durch die Parkanlagen und die Amüsiermeilen sowie einigen Gelatti habe ich dann auf dem bereits wegen Überfüllung geschlossenen Bavaria Campingplatz noch ein Plätzchen für mich und mein Bike erhandelt und für 10 € eingecheckt



Kilometer 102,07 (G-km 487)
Höhenmeter einige
Fahrzeit/Steigzeit 13 : 45 (34 : 16)



Tag 4 – Sonntag, 14.08.2004



Riva del Garda – Rovereto (Zug) – Brennerpass (Bike) – Innsbruck – Rosenheim – München Hbf – Sangerhausen





Nach einer warmen Nacht unter Palmen, nein Kiefern, bin ich 06.15 Uhr aufgewacht, habe eine ordentliche Dusche genossen und habe Riva del Garda gegen 07.15 Uhr verlassen, um über den 6. Pass dieser Tour, den 283 m ü.NN hoch gelegenen San Giovanni Pass nach Rovereto zum Zug – ohne Kenntnis über den aktuellen Fahrplan - zu fahren . Einen halben km vor dem Bahnhof in Rovereto hat der Bahnhofsprecher den Zug zum Brenner angekündigt, so dass nicht mal die Zeit zum Fahrkartenkauf geblieben ist. Just in time. Für gerade mal 8 € die Karte ging es dann in Begleitung von Anton, einem Schuldirektor aus Rosenheim, der mit seinem Mountainbike auch einige Tage in den Bergen unterwegs war, rauf zum Brenner. Nach einem Cappuchino + Croissant am Brennerpass sind wir dann von 11.15 Uhr bis 12.15 Uhr bei teilweise starkem Gegenwind den Brenner hinuntergestürzt. Sogar einen nicht langsam fahrenden Rennrad-Junkie haben wir geknackt. (Top-Speed 75,5km/h trotz Gepäckaufbauten ein stolzer Wert und All Time High für mich auf einem Rad)
In Innsbruck haben sich dann wieder unsere Wege getrennt. Ich bin 12.45 Uhr mit der Bahn über Rosenheim (14.30 Uhr) nach München (15.20 Uhr) zurück, wo es wieder mal aus allen Rohren geschüttet hat. Selbst die kurze Fahrt zum Auto hat seine Spuren hinterlassen. Nach dem Abröteln bin ich gegen 16.00 Uhr in München gestartet und war 20.10 Uhr in Sangerhausen.

Abschließend möchte ich noch einmal kurz zusammenfassen:

Die geplante 4-Tagestour bis Riva del Garda habe ich etwas beschleunigt und bin am Ende des 3. Tages nach ca. 490 km und 34 Stunden transalp inklusive einer sehr empfehlenswerten Mountain - Gletscher Tour im Adamello-Gebiet am Ziel angekommen. Ca. 450 km betrug dabei annähernd die Direktroute am Val di Genova vorbei nach Riva del Garda, wofür ich 23 Stunden benötigte, was einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von knapp 20 km/h entspricht. Dabei habe ich einige Höhenmeter über den Zirlerberg 1150 m bei Seefeld, den Brennerpass 1375 m , den Jaufenpass 2094 m, den Gampenpass 1512 m, den Passo Carlo Magno 1682 m sowie den Passo S. Giovanni 283 m zurückgelegt.
Dank auch unserer DAV-Panorama, habe ich auch für die Zukunft neue Ideen bezüglich neuer Routen und Touren (z.B. Sentiero della Pace) gewonnen, die neue Herausforderungen mit dem Bike sein können. Dies soll auch gleichzeitig ein Angebot an all diejenigen sein, …



Axel Richter, Dezember 2005