Die Idee, mit dem Rad von Hamburg nach Sangerhausen zu fahren wurde bereits einige Jahre zuvor im Tennisverein Sangerhausen geboren. Damals wollten mein Freund Andreas Rumpff und ich mit dem Schönes-Wochenende-Ticket der Bahn AG nach Hamburg fahren, um im Anschluss zurück zu radeln. Leider ist es nie zu diesem gemeinsamen Vorhaben gekommen.
Als Student an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg habe ich die Idee wieder aufgegriffen, um sie am 28.05.2002 in die Tat umzusetzen.
Nach genau 13 Stunden 17 Minuten und 51 Sekunden Nettofahrzeit, 323,69 Kilometern und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,3 Kilometern pro Stunde bin ich am 28.05.2002 um 19:00 Uhr mit meinem Mountainbike in Sangerhausen angekommen.
Begonnen hat dieser Tag um 4 Uhr morgens in Hamburg. Gestartet bin ich 4:31 Uhr von der Hanseatenkaserne in der Stoltenstraße 13. Das Hamburger Wetter zeigte sich von der eher weniger schönen Seite. Es regnete die ersten 2 Stunden bis nach Lüneburg, wo ich dann auch die gute Bundeswehr-Goretexjacke ablegen konnte. Es blieb weiterhin stark bewölkt mit Wind aus NW 10-15km/h. Nach einem Umweg von ca. 10 km habe ich nach 61 km Lüneburg erreicht, um nach einigem Suchen und Befragungen der Einheimischen dann doch den richtigen Weg nach Süden in Richtung Uelzen nehmen zu können. Nach meinen anfänglichen Zweifeln betreffs des mäßigen Wetters, rollte es dann besser. Ich bin größtenteils auf den wenigen vorhandenen Radwegen gefahren. Habe dabei eine wahre Slalom-Ralley um tausende von Schnecken auf dem Weg gemacht. Nach ca. 100 km habe ich Holdenstedt südlich von Uelzen passiert. Auf dem Weg in Richtung Gifhorn (ca. 100 km geradeaus) bin ich sehr viel auf der Straße gefahren. Dabei bestand meine Maxime darin, die Geschwindigkeit nicht über 25km/h ansteigen zu lassen. Bei Km 120 habe ich dann auch die Goretex-Hose ausgezogen.
Gegen 11.30 habe ich Gifhorn auf der B4 passiert. Da es hier keine Radwege gab, bin ich schön brav auf der Straße rechts gefahren. Trotzdem haben einige unbelehrbare Verkehrsteilnehmer ein wildes Hupkonzert veranstaltet. Hier habe ich auch für einige Kilometer meine Geschwindigkeit auf ca. 30 Km/h erhöht. In Gifhorn war dann auch „Bergfest“ nach ca. 160 km. Ca. 10 km vor Braunschweig habe ich einen kurzen Stop zum Nachkauf von Verpflegung (2L Coke, 2x Milka-Alpenvollmilch, 4x Iso-Getränk, 1x Dextro) gemacht. In Hamburg war ich mit meinem Rucksack (8kg) gestartet. Dabei habe ich außer meiner Waschtasche nur Verpflegung transportiert. So habe ich 1 L Coke, 1 L Iso, 1L Wasser, 5 x100g-Tafeln Schokolade, einige Snickers, 2 Äpfel, 2 Doppelschnitten und einige Kleinigkeiten dabei gehabt.
In der Zeit von 12:30 bis 13:30 bin ich quer durch Braunschweig (ich habe alle Ampeln mitgenommen) via HBf und Südsee wieder im Regen geradelt. Dann ging es fast ausschließlich auf Feldwegen nach Wolfenbüttel (13:50) und weiter nach Halberstadt (50 km). Ca. 20 km hinter Wolfenbüttel hörte es so langsam auf zu regnen, so dass ich nach dem Passieren des Grenz-Open-Air-Museums wieder die Jacke ausziehen konnte. Die Hose habe ich bis SGH nicht wieder ausgezogen (9 h effektive Fahrt, 220 km 24,4 km/h). Die Strecke über die Hügel nach Halberstadt und durch die unzähligen Baustellen zieht sich, bis ich 16:40 Uhr nach 272,6 km das schöne Quedlinburg erreicht habe. 17:07 Uhr habe ich vor der Stiftskirche von Gernrode (278,6 km) noch ein Foto geschossen, um dann die 13 km Richtung Harzgerode rauf zu strampeln. Nach 12 h Fahrt habe ich 17:45 Uhr nach 289 km Harzgerode erreicht. Die Fahrt in den Harz ging fast von allein. Seit Quedlinburg scheint die Sonne. Ich fühle mit super fit und motiviert. Es ist der Wahnsinn, was der menschliche Körper so alles aushalten kann. Ich habe weder Krämpfe in den Beinen noch in der Arm- und Rückenmuskulatur. Das ständige Wechseln meiner Sitzposition hat meinen Hintern geschont, trotz Goretex-Hose. Meine ¾-Segelhandschuhe haben ebenfalls sehr gute Dienst geleistet. Ich erinnere mich an die Fahrt zu Ostern nach Halberstadt und den fiesen Ostwind auf der Rücktour. Heute habe ich hier 280 km in den Beinen und fühle mich super. Gegen 18:10 Uhr habe ich nach 12 h 27 min und 300 km Königerode erreicht, um wenige Zeit später um 18:28 Uhr nach 309,7 km die Tankstelle in Wippra zu passieren.
Nach 323,69 km, 13 h 17 min netto und 14h 29 min brutto bin ich glücklich und ohne Schmerzen in Sangerhausen eingerollt nicht ahnend, dass ich erst im Jahr 2010 mit meinem Freund Thomas Tröster mit der Teilnahme am 540 km Nonstop-Race Trondheim-Oslo, diese Leistung entfernungstechnisch übertreffen werden würde.