24.03.2006 – 26.03.2006
Hinterer Brochkogel 3.635 m (Ötztaler Alpen)
Bergfreunde: Uwe Lange, Manfred König, Heiko Schüler, Rainer Weigelt, Florian Herzog und Axel Richter (Autor)
Die Anreise aus Deutschland unternahmen alle Teilnehmer individuell. Zwischen 20.30 Uhr und 23.50 Uhr trafen wir am Parkplatz der Talstation der Pitztaler Gletscherbahn (PizExpress) ein. Heiko, Rainer, Florian und ich haben jeder ein vorgewärmtes Bierchen getrunken, ehe wir dann kurz entschlossen in ein nahegelegenes Restaurant eingekehrt sind.
Nach einer etwas unbequemen Nacht im Freien (Isomatte + Schlafsack) sind wir gegen 06.30 Uhr aufgestanden. 08.30 Uhr haben wir den PizExpress von 1.720 m – 2.840 m zum Aufstieg ins Gletscherskigebiet rund um den Mittelbergferner genommen. Oben angekommen, ging es von nun an auf unseren Brettern weiter, was für den ein oder anderen zu einer mehr oder weniger großen Herausforderung wurde. Nach der Abfahrt zur Talstation ging es mit dem 2.220 m langen Schlepplift auf das Mittelbergjoch 3.182 m. Nach kurzem Abstieg war der Taschachferner in südlicher Richtung erreicht, wo wir nun unsere „Felle“ für die bevorstehende Ski-Tour angelegt haben. Nach ca. 2 h standen wir dann am Fuß des Hinteren Brochkogels, dem Beginn der Klettertour. Das Wetter war für eine Wintertour mit mäßig bis schlecht einzuschätzen. Wechselnde Bewölkung mit stärkerem, teils böigen Wind und Niederschlägen waren in der Ausgesetztheit des Gletschers unsere ständigen Begleiter.
Nun angekommen, konnten wir alle Vorbereitungen zum Gipfelanstieg treffen. Die vier Expeditionsteilnehmer (die vier erstgenannten Bergfreunde) haben sich die Nordwand des Hinteren Brochkogel zum Ziel gesetzt. Florian und ich haben den Nordgrat für uns auserkoren. Gerade hat uns noch eine Gruppe Schneeschuhgänger passiert, dann ging es auch schon los. Ohne uns von diesem ruppigen Wetter beeindrucken zu lassen, erreichten Uwe, Florian und ich den Gipfel nach ca. 1,5 h. Heiko, Manfred und Rainer haben in der Nordwand mit einer vereisten Steilstufe zu kämpfen gehabt. Mit vereinten Kräften auch unter Einsatz eines Flaschenzuges vom Gipfel, haben alle das Ziel, den Gipfel des Hinteren Brochkogels erreicht. Besonders hervorzuheben war das Durchhaltevermögen von Heiko, der annähernd 1,5 h nur ca. 20 m unter dem Gipfel im Vorstieg durch die Eiswand an seiner Standplatzsicherung sehr ausgesetzt verharren musste, um Manfred und Rainer sicher zum Gipfel zu führen.
Zwischenzeitlich erreicht noch eine 2. Gruppe von Bergsteigern den Gipfel. Später am Abend sollten wir sie auf der Braunschweiger Hütte wiedersehen. Der Abstieg über den Nordgrat verlief fast problemlos. Kurz vor dem Erreichen des Lagerplatzes am Fuß des Berges war Rainer in eine Spalte eingebrochen, so dass von unten betrachtet, nur noch seine Füße zu erkennen waren. Mit vereinter Hilfe war jedoch alles halb so schlimm. Nach dem Zusammenpacken und Verstauen der Ausrüstung ging es teils schneller mit Ski, teils langsamer zu Fuß über den Gletscher erst hinab und schließlich wieder zum Mittelbergjoch hinauf. Bei nun sonnigem Wetter kamen alle gegen 18.45 Uhr an und wurden noch mit einem wunderschönen Sonnenuntergang belohnt.
Vom Joch aus ging es dann in Gruppen und im Wettlauf gegen die einsetzende Dunkelheit zur Braunschweiger Hütte auf 2.758 m. Florian und ich haben die Hütte gegen 20.20 Uhr erreicht. Unten auf dem Gletscher konnten wir die anderen Jungs in der Ferne erkennen. Wir haben eine Kopflampe zur Orientierung vor der Hütte an einem Pfahl befestigt und es uns dann in der Hütte mit der schon erwähnten 2. Gruppe von Bergsteigern gemütlich gemacht. So sind wir dann auch sehr schnell, nach dem Genuss von warmen Tee und Pasta, wieder zu uns gekommen. Gegen 21.20 Uhr kam dann unser Heiko und im Abstand von jeweils einer viertel Stunde die drei noch fehlenden Jungs.
Jetzt haben wir uns an das Kochen von Tee, Suppe und eigener Pasta gemacht und haben diesen anstrengenden, erlebnisreichen aber schönen Tag gegen 0.00 Uhr ausklingen lassen.
Am nächsten Morgen ging es nach dem Frühstück dann gegen 10.00 Uhr erst zurück zur Talstation des Gletschersee-Liftes und dann mit dem PizExpress zurück ins Tal, wo wir gegen 12.30 Uhr ankamen. Nach dem Packen und der Verabschiedung haben wir alle wohlbehalten, mit neuen Erfahrungen und vielen schönen Eindrücken bei 14 Grad Celsius warmen Tauwetter die Heimreise angetreten.
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