Sie sind hier:

MUSTAGH ATA EXPEDITION 2010

EVEREST-SÜDOSTGRAD-EXPEDITION 2009

ACONCAGUA 2007

WINTER-SKI-TOUR ZUM HINTEREN BROCHKOGEL

IMMER OHNE SAUERSTOFF

Allgemein:

Startseite

NEWS

SPONSOREN

BILDERGALERIE

INTERVIEW

KONTAKT

Auf das Dach Amerikas

Nach 10 harten und frostigen Stunden des Aufstiegs über die Normalroute standen Juan (Argentinien) und ich auf dem höchsten Berg der westlichen und südlichen Hemisphäre. Bei strahlender Sonne hat allein der grandiose Ausblick auf die umliegenden Berge und Täler die vorangegangenen Strapazen nahezu vergessen gemacht.

Mit Willy aus Buenos Aires, Job und Uno aus Holland, ging es Tage zuvor vom Parkeingang auf 2850 m ins Horcones-Tal, wo wir nach lockeren 2.45 h das Camp Confluencia auf 3300 m erreicht haben. Da wir einen Teil unserer Ausrüstung mit den Mulis transportieren lassen haben, war für zwei Übernachtungen das Zelt von Experience Aconcagua unser zuhause. Von hier ging es am folgenden Tag für 8 Stunden Round-Trip nach Plaza Francia, dem Basecamp der Südwand des Aconcagua, die mit fast 3000 m als die dritthöchste ihrer Art weltweit gilt. Am darauffolgenden Tag setzten wir unseren Weg durch das 35 km lange Horcones-Tal fort und erreichten nach ca. 8 Stunden das Basecamp Plaza de Mulas (Platz der Esel) auf 4300 m. Nach dem Check-in bei den Rangern, dem Zeltbau und dem ersten selbst zubereiteten Gericht, verbrachten wir viel Zeit, die grandiosen Ausblicke auf die Westseite des Aconcagua und die umliegenden Berge und Gletscher zu geniesen. Nach einem Ruhetag im Basislager, wo wir uns weiter akklimatisiert und alles für den weiteren Aufstieg vorbereitet haben, der Doc sein o.k. gegeben hat (Sauerstoffsättigung: 82%), ging es dann im nächsten Schritt nach Camp Canada 5050 m. Willy und Job sind im Basecamp geblieben. Job ist tags darauf mit dem Helikopter mit Wasser in der Lunge ausgeflogen worden. Heute ist bei ihm wieder alles in Ordnung, auf seinem Weg quer durch Lateinamerika.
Von Canada an war ich nun bis zum Gipfeltag mit Gi aus Taiwan und Eduardo aus Uruguay zusammen. Zur Stärkung gab es wie jeden Tag Pasta, heute garniert mit Hering auf Tomatensoße ( Gi´s Empfehlung). Von diesem Lager an gab es kein fließendes Gletscherwasser mehr, schmelzen war also angesagt. Nach einer sehr kalten Nacht mit grandiosem Sternenhimmel – jetzt ist mir klar, warum die Europäer in Chile die Südsternwarte gebaut haben – ging es am folgenden Tag über Camp Alaska nach Nido de Condores (Condor-Nest) auf 5400 m. Hier standen bereits ca. 20 Zelte und nun 2 mehr. Von jetzt an haben sich Eduardo und ich ein Zelt geteilt. Die Wettervorhersage im Basecamp hat für Freitag einen Tag mit weniger Wind aber trotzdem gefühlten minus 26- 31° C angezeigt. Am Mittwoch meinten Eduardo und Gi der bessere Tag soll schon am Donnerstag sein. So haben wir uns entschlossen, Mittwoch zum Lager Berlin in 6000 m aufzusteigen. Der Aufstieg ging mit kapp 2 Stunden ohne Probleme. Der Ausblick von der Kanzel auf das Gran Acarreo, das sich vom Gipfel über die berüchtigte Canaleta bis hinunter nach Plaza de Mulas erstreckt, war beeindruckend. Unter uns lagen die einzelnen Camps, wie kleine bunte Punkte. Der nächtliche Aufstieg zum Gipfel war für 3 Uhr geplant. Leider war das Wetter gegen uns, denn ein mehr als frischer Wind ließ uns eine sehr ungemütliche Nacht durchleiden. Tags darauf stiegen Eduardo und ich mit all dem Gepäck wieder zurück nach Nido. Gi war wegen seiner schlechten Verfassung schon früher abgestiegen. Nun hieß es erst mal reanimieren und die Lage neu peilen. Wir entschlossen uns, Samstag, den 13.01.2007 – am 14.01.2007 jährte sich zum 110. Mal die Erstbesteigung durch den schweizer Bergführer Matthias Zurbriggenden – den Gipfel anzugehen.
Gesagt, getan. 2.45 Uhr ging es für Eduardo und mich in Nido los. Es war eine sternenklare und eisige Nacht. Der Wind entsprach ca. den vorhergesagten Werten, also um die 20km/h. Außer in einem anderen Zelt war noch niemand wach und so sind wir beide als erste an diesem Tag von Nido Richtung Gipfel aufgebrochen. Es führen einige Wege hoch nach Berlin, mit unseren Kopflampen und der Kenntnis des Weges vom ersten Anstieg haben wir nach 1.45 Stunden dieses kleine Lager erreicht. Hier war schon mehr Bewegung zu verzeichnen. Nach einer kurzen Pause und einigen Schlucken heißen Tee ging es dann über einige leichtere Kletterpassagen immer Zick Zack in Richtung White Rocks. Nun waren wir wieder zu Dritt. Richard aus Nordirland war nun Teil unserer Gruppe. Als wir auf einer Höhe von ca. 6200 m waren, begann von links die Dämmerung einzusetzen und wir konnten zum ersten Mal unsere Blicke in die grandiose Umgebung schweifen lassen. Die Sicht in die umliegenden Täler und auf die Berge nördlich des Aconcagua (z.B. El Mercedario 6800 m) wurde nicht von Wolken versperrt und war einfach nur atemberaubend. Alle halbe Stunde haben wir auf diesem Teil des Anstiegs jeweils kurze Pausen gemacht. So konnten wir erst ein paar Fotos schießen und anschließend etwas zu uns nehmen. Nachdem wir das letzte Camp auf 6300 m in Independencia (Hüttenwrack ohne Dach) passiert hatten, erreichten wir nach weiterem ermüdendem Zick Zack den Kamm, von wo aus die Traversierung des Gran Acarreo begann.
Hier oben war es dann schon hell aber wegen seiner Ausgesetzheit und schattigen Lage, gehörte dieser Teil zur Kältekammer des Anstieges. Von hier begann einer der kräftezehrendsten eile des Anstieges. Das Gran Acarreo und als finale Krönung des ganzen die Canaleta sind durch ihre Steilheit und durch ihr loses Gestein berüchtigt. Alles ist locker hier und man ringt stets um jeden gewonnenen Höhenmeter. Die letzten 300 Höhenmeter durch die berüchtigte Canaleta haben sich dann noch gut 3 Stunden hingezogen. Eduardo hat am Eingang der Rinne etwas länger als ich gechilled. So bin ich im unteren Teil der Canaleta allein weiter. Meinen großen Rucksack mit den Steigeisen sowie der Daunenjacke habe ich am einem Penitentes-Feld zurückgelassen. Später habe ich Juan aus Juyuy in Nordargentinien getroffen.
Gemeinsam haben wir es gepackt und standen am 13.01.2007, 12.45 Uhr, auf dem höchsten Berg Amerikas. Für ca. 20 Minuten standen Juan und ich allein auf dem Gipfel, ehe ein andere Zweier-Gruppe das Plateau ebenfalls betrat. Das Gipfelplateau ist etwa so groß wie ein Handballfeld. Ein Kreuz aus Aluminium und eine Box für das Gipfelbuch zeigen den höchsten Punkt an. Wir haben es geschafft! Mein zweiter Gipfel der Seven Summits nach dem Kilimanjaro 1998. Der Abstieg gegen 13.00 Uhr verlief mit 3 Stunden sehr schnell und direkt. Für die Canaleta haben wir ca. 1 Stunde gebraucht. Im weiteren Abstieg haben wir uns dann die Steilheit des Gran Acarreo zu Nutze gemacht und sind bis nach Nido de Condores abgefahren. Am nächsten Morgen bin ich dann in ca. 1 Stunde bis nach Plaza de Mulas abgefahren. Von hier habe ich dann mit vollen Gepäck den Weg zum Parkeingang (ca. 35 km) in gut 7 Stunden bewältigt. Von nun an begann mein 14-tägiger Urlaub. Mendoza, Bariloche, Chiloé, Pucon, Santiago de Chile und Valparaiso, um nur einige der Stationen zu nennen. Es waren traumhaft 4 Wochen. Das Land mit den unzähligen freundlichen und liebenswerten Menschen. Ich sage Danke, dass ich das erleben durfte und freue mich bereits heute auf den Tag, an dem ich sowohl nach Argentinien als auch nach Chile zurückkehren werde.

Zu den Bildern vom Aconcagua. Hier klicken!

ZUR BILDERGALERIE